Fridays for Future – eine Rede – meine Demo

Fridays for Future – eine Rede – meine Demo

25. September 2020 2 Von Boris Biba

Wenn ich eine Rede auf einer Veranstaltung von Fridays for Future halten würde, würde ich vielleicht Folgendes sagen:

Mein Name ist Boris Biba. Ich bin Philosoph.

Guten Morgen!

Vielleicht sind viele von Ihnen schon lange wach, aber trotzdem: Guten Morgen! Der Begriff “Aufwachen” wird ja leider gerade etwas überstrapaziert. Von Leuten, die so tief träumen, dass es verwirrend ist, dass sie den Begriff überhaupt kennen. Aber trotzdem:

Dass Sie hier sind, zeigt, dass Sie aufgewacht sind. Und mit aufwachen meine ich ganz philosophisch, Sie sind von einem Zustand des “Nichts-Tuns” zu einem Zustand des “Handelns” übergegangen. Aber wie handeln Sie? Was tun Sie? Wie entscheiden Sie? Wie wählen Sie?

Dazu möchte ich ein sehr philosophisches Zitat aus einer recht unphilosophischen Quelle bemühen. Das Zitat kommt von Mithras – einer Figur aus einem Computerspiel – und es ist eines der wenigen Zitate die mich wirklich beeindrucken. Es geht so:

“Unschuldige? Es gibt keine Unschuldigen. Wir alle machen mit dem was wir tun, die Welt zu dem was sie ist.”

Mithras – aus dem Computerspiel Sacrifice

Also, was tun Sie? Was für eine Welt, wollen Sie aus dieser Welt machen? – Diese Frage müssen wir uns alle immer wieder stellen.

Ich behaupte mal, allen die hier sind ist klar, dass wir die Klimaerwärmung eindämmen müssen. Während wir aber unseren Müll trennen, Bio kaufen oder möglichst wenig Auto fahren, spielt dieses Handeln kaum eine Rolle.

Es ist Gut – aber es ist zu wenig. Was wir brauchen – was die Welt braucht, sind politische Entscheidungen, die uns (und andere) zwingen klimabewusst zu leben. Und zwar schnell.

Wenn sich also etwas ändern soll, müssen die Entscheidungsträger verstehen: “Wir alle machen mit dem was wir tun, die Welt zu dem was sie ist.” – Und die, welche die großen Entscheidungen treffen können, müssen entsprechend handeln. Es darf kein Wegducken, kein Rausreden und kein “das verschieben wir auf später” mehr geben. Es gibt (politische und gesellschaftliche) Parteien, die bremsen bei den nötigen Entscheidungen systematisch – und verharren in der Vergangenheit, auf Kosten der Zukunft.

Seit dem FCKW-Verbot wissen wir, dass es möglich ist, große Umweltprobleme gemeinsam zu lösen. (Spätestens) Seit Corona wissen wir, dass schnelles Handeln möglich ist. Und wer würde in Sachen Corona sagen, “wir warten mal ab, ob die anderen Länder einen Lockdown machen und dann machen wir mit”? – Warum sollte man das also bei der Klimakrise sagen? – Ich sehe dafür keinen verständlichen Grund.

Wenn wir jetzt die Klimakrise ignorieren, weil wir eine Gesundheitskrise haben (oder aus zig anderen Gründen) – dann haben wir oder spätestens unsere Kinder eine Existenzkrise. – Im Sinne von “es wird schwierig werden auf dieser Welt weiter als Mensch zu existieren”.

Danke.

Ende der Rede.

Ich weiß nicht, ob ich (am 25.09.2020) auf eine Demo gehen kann (wahrscheinlich nicht) und wenn ich auf einer wäre, würde ich die Rede bestimmt nicht halten. Deshalb schreibe ich sie hier. Das ist quasi meine Ersatzdemo ganz ohne Flyer, rumlaufen und laut sein. Ganz still und friedlich, aber vielleicht doch ein bisschen nachhaltig.

“Unschuldige? Es gibt keine Unschuldigen. Wir alle machen mit dem was wir tun, die Welt zu dem was sie ist.”

Mithras – aus dem Computerspiel Sacrifice