Es bröckelt… nicht ewig

Es bröckelt… nicht ewig

23. Oktober 2019 2 Von Boris Biba

Worum geht es in diesem Beitrag?

Um die Welt, oder jedenfalls um den kleinen Teil den ich überblicke. Von diesem kleinen Teil geht es eigentlich um Politik. Von dieser Politik geht es auch nur um den noch kleineren Teil an den ich beim Schreiben dieses Beitrags denke. Und es geht darum, warum es sich nicht lohnt deprimiert zu sein, auch wenn in der Zeitung Dinge stehen, die einen dazu verleiten möchten.

Es bröckelt…

Seit dem Anschlag in Halle wird in Deutschland heftig diskutiert. Möchte man meinen. Aber das was ich sehe ist etwas anderes: Politiker sind betroffen. Erschüttert und fassungslos. Und das ist gut, aber es reicht nicht. Es hat beim Mord an Walter Lübke nicht gereicht. Es hat bei der Vielzahl anderer rechtsextremer Anschläge in Deutschland bisher nicht gereicht.

Erschütterung und Fassungslosigkeit reichen nicht. Ein kurzer Aufschrei der Entrüstung reicht meist nicht, um den Drängler an der Supermarktkasse dazu zu bringen sich hinten anzustellen. Dazu muss man hingehen und ihn an seinen Platz verweisen. Natürlich kann man jetzt sagen: Ja, aber die Innenminister fordern doch jetzt mehr Überwachung im Internet.

Doch macht es Sinn diese Diskussion wieder zu führen? Es gibt die Vorratsdatenspeicherung bereits. Warum hat diese die Taten nicht verhindert? Mehr Überwachung bedeutet nicht zwangsläufig mehr Sicherheit. Und wer die Erfolge der AfD in einigen Bundesländern beobachtet darf sich Sorgen darüber machen, ob diese Überwachungsmöglichkeiten nicht am Ende den Falschen in die Hände spielen. Wäre es nicht sinnvoller (wenn auch viel schwieriger) die Ursachen anzugehen. Statt erschüttert und fassungslos zu sein, endlich zu verstehen, dass Deutschland ein Problem mit rechten Extremisten hat. Und, dass dieses Problem eine Vielzahl von Ursachen hat, die man angehen muss um es zu lösen. Vielleicht würde es auch helfen wütend zu sein. Denn Wut dürfen nicht nur die empfinden die (rechts und links) am Rand stehen. Wut darf auch mal in der Mitte aufkeimen und die darf ihren Kollegen, Verwandten und Freunden auch mal sagen: Es reicht! Hier ist kein Platz für deinen Rassismus, Antisemitismus oder Arschismus (Neologismus für rücksichtsloses, arschiges Verhalten das Anstand und Respekt vermissen lässt). Punkt!

Das heißt natürlich nicht, dass Wut an sich stets ein geeignetes Mittel ist, aber sie gehört nicht den Radikalen alleine.

Es bröckelt…

Seit Jahren warnen Forscher auf der ganzen Welt vor dem menschengemachten Klimawandel. Ich meine es ist schon eine ganze Weile her, dass ich einen Artikel gelesen habe, man müsse jetzt (also damals) handeln und gegen den Klimawandel ähnlich geplant und entschlossen vorgehen, als wäre es ein Feind im Krieg. Verlinkt ist hier nicht der Artikel an den ich mich erinnere, aber die Idee war ähnlich.

Jahre später, nach weltweiten Protesten von Kindern und Jugendlichen hat sich die Bundesregierung zu einem Klimapaket durchgerungen. Es wird als “Mehr Päckchen als Paket” und “Das Ende der Klima-Kanzlerin” kritisiert. Zum Vergleich, die Maßnahmen die wirklich etwas bringen würden, hier als Video. Und die Kritik als Video hier. Danke an maiLab an dieser Stelle.

Das Klimapaket scheint also nicht so viel zu bringen. Wer sich jetzt freut, dass er weitermachen kann wie bisher, wird später entweder selbst die Rechnung begleichen oder zusehen wie es seine Nachkommen machen müssen.

Es bröckelt…

Mich erschrecken bestimmte Nachrichten schon gar nicht mehr, obwohl sie unglaublich sind und es eigentlich sollten. Ob nun der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika den Abzug seiner Truppen aus Syrien und das im Stich lassen der hiesigen Kurden damit rechtfertigt, dass diese ja im 2. Weltkrieg in der Normandie nicht mitgekämpft hätten. Oder ob der Türkische Präsident Recep Tyyip Erdogan sich im Ton vergreift und den deutschen Außenminister Heiko Maas als “Dilettant” bezeichnet und statt sachlich zu argumentieren, persönlich beleidigend wird. Von den Verirrungen beim Brexit ganz zu schweigen.

Ich fühle mich manchmal wie ein Zuschauer bei South Park oder bei den Simpsons. Denn in diesen Serien steckt viel Charme einfach darin, dass sie unerwartet absurde, dämliche oder obszöne Wendungen nehmen. Meist dann, wenn man schon denkt: Dümmer geht es nicht mehr.

Man könnte jetzt hoffen, dass die EU diese Chance nutzt um als außenpolitisch ernsthafter Akteur aufzutreten und sich zu emanzipieren. Doch diese Hoffnung scheitert an Mitgliedsstaaten die bereits den Weg der politischen Absurditäten beschreiten.

Die Spinne

Schon deprimierend oder? Und das sind nur drei Themenfelder. Mit diesen Gedanken beschäftigt und einen Artikel auf meinem Handy lesend gehe ich also auf den Balkon und laufe versehentlich mit dem Gesicht in ein Spinnennetz. Die Kreuzspinne, die das Netz quer über den Balkon gebaut hatte und beim Zusammenstoß in der Mitte saß, war genau so erschrocken wie ich. Während ich mir die Spinnweben noch aus dem Gesicht fummle eilt sie schon von einer Ecke ihres ramponierten Netzes zur nächsten.

Sie baut es einfach wieder auf. Der Spinne ist es egal was in der großen Welt passiert. Sie macht dort wo sie ist, das was sie kann. Und wenn ein großer dummer Mensch in ihr Netz läuft, dann baut sie es halt wieder neu. Zur Not auch von Anfang an.

Es bröckelt… nicht ewig

Wir müssen zum Glück nicht von Anfang an alles wieder aufbauen. Ja, in letzter Zeit geht viel kaputt und wahrscheinlich geht auch noch einiges mehr kaputt bevor es politisch wieder besser wird. Aber genau wie die Spinne können wir dort wo wir sind und mit dem was wir können sofort mit der Reparatur beginnen. Deshalb lohnt es sich nicht deprimiert zu sein. Es gibt Menschen, die an Lösungen arbeiten. Für jedes große Problem gibt es jemanden oder mehrere, die dort wo sie sind und mit dem was sie können mit der Lösungssuche beginnen. Ich kann hier wo ich bin, diesen Text schreiben, du kannst ihn lesen. Vielleicht verbessern, vielleicht weitergeben. Vielleicht kannst du, dort wo du bist auch etwas reparieren, was kaputt gegangen ist. Oder gar etwas Neues erschaffen, das ein Problem löst.

Sei lieb 😉